BDT (Behandlungsdatenträger): Definition, Aufbau und Einsatz

BDT (Behandlungsdatenträger, heute auch Behandlungsdatentransfer) ist ein Standard der xDT-Familie, mit dem Praxissoftware ihre Daten systemunabhängig exportiert, vor allem damit eine Arztpraxis beim Wechsel des Praxisprogramms ihre Patientendaten mitnehmen kann. (Stand 08.10.2026, Quelle: QMS, BDT 3.0 Satzbeschreibung Version 0.96 (archiviert), Kap. 2)

Stand: 08.10.2026 · Lesedauer ca. 6 Minuten · von Thomas Freimoser

Woher kommt BDT?

Die wichtigsten Stationen laut der BDT-3.0-Beschreibung des QMS:

ZeitpunktWas geschah
Anfang der 1990er JahreDas Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (ZI) entwickelt BDT, um die vollständige Behandlungsdokumentation aller Patienten zwischen Praxis-Software-Systemen austauschen zu können und Ärzten den Wechsel des Softwareanbieters zu erleichtern.
15.09.1998Stand der zuletzt gemeinfrei verfügbaren Fassung BDT 02/94. Später stellt das ZI Pflege und Weiterentwicklung ein.
2011Der Qualitätsring Medizinische Software (QMS) nimmt in Absprache mit ZI und KBV die Weiterentwicklung auf.
01.03.2015BDT 3.0, Version 0.96, erscheint mit dem Status „Freigabe für Testimplementierungen“.

(Stand 08.10.2026, Quelle: QMS, BDT 3.0 Satzbeschreibung Version 0.96 (archiviert), S. 2 und Kap. 2)

Einsatz beim Wechsel der Praxissoftware

Der Hauptzweck ist der Umzug von Daten: Das bisherige Programm exportiert den Bestand als BDT-Datei, das neue Programm liest sie ein. BDT 3.0 nennt als wichtigste Anwendungsfälle den vollständigen Export, auch zur Archivierung, und den Import aller Daten eines Praxis-Software-Systems. (Stand 08.10.2026, Quelle: QMS, BDT 3.0 Satzbeschreibung Version 0.96 (archiviert), Kap. 3.6)

Welcher Anwendungsfall vorliegt, steht in BDT 3.0 im Datei-Header (Satzart 0020) in Feld 0010:

Wert in Feld 0010Anwendungsfall
1Gesamtbestand, zum Beispiel für einen Systemwechsel
2definierter Zeitraum
3Quartal
4Einzelpatient
5Fallakte
6Medikationsplan
10Notdienst
11Gesamtbestand für die Archivierung
90Termine
91Adressen
99sonstiger Anwendungsfall

(Stand 08.10.2026, Quelle: QMS, BDT 3.0 Satzbeschreibung Version 0.96 (archiviert), Kap. 3.6)

Inhaltlich beschreibt BDT 3.0 vor allem die „Karteikarte“ des Patienten: Stammblattdaten und datumsbezogene Verlaufsdaten der Behandlung. Im Unterschied zu älteren Versionen kommen Praxisverwaltungsdaten wie Adressen und Termine hinzu. (Stand 08.10.2026, Quelle: QMS, BDT 3.0 Satzbeschreibung Version 0.96 (archiviert), Kap. 2)

Wie Sie einen Export vor der Übernahme ansehen und auf Vollständigkeit prüfen, zeigt die Anleitung BDT-Datei öffnen.

Aufbau einer BDT-Datei

Wie in LDT ist jede Zeile ein Feld: 3 Zeichen Länge, 4 Zeichen Feldkennung, der Inhalt und am Ende CR LF (Wagenrücklauf und Zeilenvorschub). Die Länge ist Inhalt plus 9, leere Felder sind nicht erlaubt. (Stand 08.10.2026, Quelle: QMS, BDT 3.0 Satzbeschreibung Version 0.96 (archiviert), Kap. 3.3) Jeder Satz beginnt mit Feld 8000 (Satzart). Danach unterscheiden sich der klassische Aufbau und BDT 3.0:

MerkmalKlassischer AufbauBDT 3.0 (Entwurf 0.96)
SatzbeginnFeld 8000 SatzartFeld 8000 Satzart
Satzlänge oder SatzendeFeld 8100 Satzlänge als zweites FeldFeld 8202 Satzende am Schluss, zählt alle Felder des Satzes einschließlich 8000 und 8202
Gliederung im SatzFelder in bis zu fünf Hierarchieebenenbis zu fünf Hierarchiestufen, dazu Objekte mit Anfang Feld 8200 und Ende Feld 8201
Datumim Beispiel 3103 = 10051963 (TTMMJJJJ)TTMMJJJJ
Zeichensatzin der genutzten Quelle nicht beschriebenISO/IEC 8859-15
Dateinamein der genutzten Quelle nicht beschrieben<Beliebiger_Text>.BDT

(Stand 08.10.2026, Quelle: Universität Gießen, Institut für Medizinische Informatik: Beschreibung des BDT-Formats) (Stand 08.10.2026, Quelle: QMS, BDT 3.0 Satzbeschreibung Version 0.96 (archiviert), Kap. 2.2, 3.2–3.4 und 3.7.5)

Beispiel: klassischer Aufbau

Ein Patientenstamm-Satz, wie ihn die Universität Gießen beschreibt:

LängeFeldkennungInhaltBedeutung
01380006100Satzart 6100 Patientenstamm
014810000499Satzlänge 499 Bytes
01030001Patientennummer
0153101AxmannNachname
0153102TobiasVorname
017310310051963Geburtsdatum 10.05.1963

(Stand 08.10.2026, Quelle: Universität Gießen, Institut für Medizinische Informatik: Beschreibung des BDT-Formats)

Einen vollständigen Export in diesem Aufbau mit zwei erfundenen Patienten, Stammdaten und Laborwerten, erklärt Zeile für Zeile die BDT-Beispieldatei.

Beispiel: BDT 3.0

Der Datei-Header aus dem Beispiel im nicht normativen Anhang der BDT-3.0-Beschreibung:

LängeFeldkennungInhaltBedeutung
01380000020Satzart 0020 Datei-Header
0149806BT001interne Kennung der ersten Betriebsstätte
0149806BT002interne Kennung der zweiten Betriebsstätte
01000101Anwendungsfall 1: Gesamtbestand
02596030101201231122012Zeitraum 01.01.2012 bis 31.12.2012
01082026Satzende: 6 Felder im Satz

(Stand 08.10.2026, Quelle: QMS, BDT 3.0 Satzbeschreibung Version 0.96 (archiviert), Kap. 8.1)

Die Feldkennungen sind in der xDT-Familie grundsätzlich gleich: 3101 ist auch in LDT und GDT der Nachname. (Stand 08.10.2026, Quelle: QMS, BDT 3.0 Satzbeschreibung Version 0.96 (archiviert), Kap. 2) Wie die Formate zusammenhängen, zeigt der Überblick über die xDT-Schnittstelle; einzelne Kennungen finden Sie in der Referenz Feldkennungen.

Grenzen von BDT

  • Entwurfsstatus: BDT 3.0 liegt nur als Version 0.96 mit dem Status „Freigabe für Testimplementierungen“ vor. Der QMS schreibt selbst, sie werde „noch nicht zur Anwendung empfohlen“. (Stand 08.10.2026, Quelle: QMS, BDT 3.0 Satzbeschreibung Version 0.96 (archiviert), S. 2)
  • Ältere Spezifikation nicht mehr verfügbar: Die Originalspezifikation BDT 02/94 ist nicht mehr öffentlich abrufbar, BDT 3.0 nur noch als archivierte Kopie. Felder, die nur in BDT 02/94 definiert sind, zeigt der Viewer deshalb als „unbekannt“ an. (Stand 08.10.2026, Quelle: Quellenliste des LDT & BDT Viewers, Abschnitte Spezifikationen und Lücken)
  • Externe Dateien: Referenzierte Dateien in Fremdformaten stehen nicht in der BDT-Datei selbst. Sie werden separat im Originalformat und optional zusätzlich als PDF/A-1b übermittelt. Prüfen Sie beim Wechsel, ob diese Dateien vollständig mitkommen. (Stand 08.10.2026, Quelle: QMS, BDT 3.0 Satzbeschreibung Version 0.96 (archiviert), Kap. 2 und 3.6.1)
  • Keine Abrechnungsprüfung: Regeln zur Plausibilitätsprüfung von Abrechnungen sind nicht Bestandteil der BDT-Definition. Abrechnungsnotizen in anderen Formaten als xDT werden nur als Referenz auf externe Dateien übertragen. (Stand 08.10.2026, Quelle: QMS, BDT 3.0 Satzbeschreibung Version 0.96 (archiviert), Kap. 3.6.1)

Einschätzung aus einem QMS-Bericht (Juli 2026)

Ein Bericht des QMS vom Juli 2026 gibt einen Vortrag auf der QMS-Mitgliederversammlung am 11. Juni 2026 wieder. Darin wird die BDT-Schnittstelle der frühen 1990er Jahre als „technisch schlank, effizient, aber funktional begrenzt“ beschrieben. Weiter heißt es dort, mit § 371 SGB V habe 2020 die Archiv- und Wechselschnittstelle (AWST) auf FHIR-Basis kommen sollen; sie sei 2023 offiziell für gescheitert erklärt worden, 2025 sei die WeSt-Spezifikation des KIG gefolgt. Das ist die Darstellung des Berichts, keine eigene Bewertung dieser Seite. (Stand 08.10.2026, Quelle: QMS, Update PVS-Wechselschnittstelle (Juli 2026))

Häufige Fragen

Enthält eine BDT-Datei auch Termine und Adressen?

In BDT 3.0 ja. Die Beschreibung des QMS kennt eigene Satzarten für Adressen (adrs) und Termine (term) sowie die Anwendungsfälle 90 (Termine) und 91 (Adressen). Ältere BDT-Versionen beschrieben solche Praxisverwaltungsdaten laut QMS noch nicht.

Wer ist heute für BDT zuständig?

Seit 2011 entwickelt der Qualitätsring Medizinische Software (QMS) den BDT weiter, in Absprache mit dem Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (ZI) und der KBV. Den Feldkatalog aller Felder der xDT-Familie führt die KBV.

Was unterscheidet die Anwendungsfälle 1 und 11?

Beide übertragen den Gesamtbestand. Anwendungsfall 1 ist laut BDT 3.0 zum Beispiel für den Systemwechsel gedacht, Anwendungsfall 11 für die Archivierung. Nur bei 11 darf nach dem Entwurf zusätzlich die Feldkennung 0000 auftauchen, mit der frühere Feldinhalte samt Zeitpunkt und Bearbeiter übertragen werden. Dieser Punkt ist in Version 0.96 noch als „zu diskutieren“ markiert.

Woran erkenne ich, ob ein Export klassisch oder nach BDT 3.0 aufgebaut ist?

Steht im zweiten Feld eines Satzes die Feldkennung 8100 (Satzlänge), ist es der klassische Aufbau. Endet jeder Satz mit Feld 8202, das die Felder des Satzes zählt, ist es BDT 3.0. Der Viewer erkennt beide Varianten automatisch.

Prüft BDT die Abrechnungsdaten beim Wechsel?

Nein. Laut BDT-3.0-Beschreibung sind Regeln zur Plausibilitätsprüfung von Abrechnungen nicht Bestandteil der BDT-Definition. Abrechnungsnotizen in anderen Formaten werden nur als Referenz auf externe Dateien mitgegeben.

BDT-Export prüfenÖffnen Sie einen BDT-Export im Viewer und sehen Sie Sätze, Felder und Patienten, bevor Sie ihn ins neue System übernehmen. Ohne Upload.

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